Stubenreinheit - drei heikle Komplikationen + Lösungen

Natürlich haben auch unsere treuen tierischen Gefährten ein eigenes Seelenleben. Dieses spielt beim Thema Reinheit eine sehr zentrale Rolle. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, kann das Problemverhalten daran liegen, dass das Familienmitglied Hund sich ohnmächtig, hilflos oder überfordert fühlt - und das geht dann oftmals auf die Blase... Jeder gesunde Hund hat  den Drang sein Zuhause sauber zu halten; das würde auch ohne unser Zutun funktionieren. Die Gründe weshalb es dann manchmal doch nicht klappt, liegen häufig in der Beziehung zum Menschen.

 

Warum macht mein Hund sein Geschäft regelmäßig nachdem ich mit ihm draußen war?

 

Diese Frage beschäftigt viele Besucher/innen meiner Welpenkurse. Es handelt sich um ein Problem, dass erfahrungsgemäß ausschließlich bei jungen Hunden auftritt. Doch woran liegt es?

 

Welpen und Junghunde sind unheimlich neugierig. Die Welt in der sie leben, gilt es zu erkunden. Bei so viel neu gewonnenen Eindrücken kann es auch schon mal passieren, dass Hündchen das (für uns) Wesentliche vergisst und erst zu Hause wieder dran denkt: "Ich muss mal..."

 

Wie Sie dem ganz einfach vorbeugen können:

 

Gehen Sie mit Ihrem Welpen kaum oder nur kurze Strecken spazieren. Suchen Sie mit Ihrem jungen Vierbeiner stattdessen immer den selben Platz auf und verweilen Sie mit ihm dort. Der Ort wird Ihrem Hund sehr schnell vertraut sein, und er ist dort weniger abgelenkt. So kann er sich gut auf seine eigenen Bedürfnisse konzentrieren, und sein Geschäft verrichten. 

Weniger ist manchmal mehr. Gehen Sie dafür öfters Gassi: Am Anfang alle zwei Stunden. Passen Sie schrittweise sowohl die Zeitabstände als auch die Weglänge den Bedürfnissen Ihres Hundes an.

 

Kann es sein, dass mein Hund aus Trotz "rein macht"?

 

Glauben Sie das? Ich schon. Wenn das Problem über längere Zeit besteht, sehe ich das vor allem als Botschaft von Ihrem Hund an Sie. Aus irgendeinem Grund ist er unzufrieden mit Ihrem Verhalten. Immer wieder wenn ich einen Hund besuche, der aus Trotz pinkelt, fällt mir auf, dass dieser mit seinem Verhalten gegen ständige Beobachtung und Aufmerksamkeit rebelliert.

Dieses Fehlverhalten seinerseits können Sie entschärfen, indem Sie seine Hinterlassenschaften gar nicht beachten. Anstatt zu schimpfen, ignorieren Sie Ihren Hund und seine Schandtat komplett. Entfernen Sie sie erst dann, wenn er es nicht sieht, und benutzen Sie ein biologisches Reinigungsmittel, dass den Geruch auch für Hunde komplett neutralisiert.

 

Mit diesem neuen Umgang zeigen Sie, dass Sie sich nicht verunsichern lassen und selbstsicher agieren. Zusätzlich sollten Sie sich über menschliche Verhaltensweisen informieren, die Hunden einen gewissen Rahmen und Sicherheit geben. Hierzu mehr unter dem nächsten Punkt.

 

Wenn erwachsene Hunde sich im Haus erleichtern

 

Hunde, die schon einmal komplett stubenrein waren und dann wieder beginnen ihr Geschäft in der Wohnung zu verrichten, bereiten ihren Besitzern oft große Sorgen. Sind Sie persönlich damit konfrontiert, suchen Sie bitte zu erst einen Tierarzt auf, um körperliche Ursachen auszuschließen.

 

Ist Ihr Gefährte körperlich gesund, können folgende Umgangsweisen Ihren Hund helfen wieder sauber zu werden:

 

Ignorieren Sie die Ausscheidungen und entfernen Sie diese, wie oben beschrieben. Falls Ihr Hund im Haus gewisse Stellen markiert, prüfen Sie welche Gegenstände sich in unmittelbarer Nähe befinden, die für Ihren Hund sehr wichtig sein könnten. Höchstwahrscheinlich demonstriert er seinen Besitzanspruch. Entfernen Sie die Dinge, die er "verwaltet" und stärken Sie das Vertrauen Ihres Hundes in Ihre Kompetenz, auf Ihn und seine Ressourcen aufzupassen. Sonst hilft er instinktiv auf seine Weise mit...

Im folgenden beschreibe ich, wie menschliches Verhalten für Hunde durchschaubar und damit auch kompetent wird. Hunde lieben die Klarheit. Deshalb:

 

  • Bestimmen Sie die Zeiten für Streicheleinheiten und gemeinsame Spiele, sowie Spaziegänge. Fordert Ihr treuer Begleiter Ihre Aufmerksamkeit ein (z.B. durch Anstupsen, Bellen oder Anschmiegen), ignorieren Sie das. 
  • Entscheiden Sie auch selbst wann Sie ein Spiel oder eine Streicheleinheit beenden möchten. Am besten noch bevor Ihr Hund dies tut.
  • Sollte Ihr Liebling gegen Spielregeln verstoßen (z.B. seine Zähne einsetzen) beenden Sie das Spiel ohne Umschweife.
  • Begrüßungsrituale bereiten den Menschen meist eine riesige Freude! Aus Hundesicht wirkt das anders: Junge Hund begrüßen Ihre Autoritätsbefugten, meist Eltern oder große Geschwister. Diese freuen sich über dieses überzogene Verhalten recht wenig, sondern nehmen es hin ohne es zu verstärken. Wird es zu dolle, übergehen sie die nervigen Jungtiere schnell, um wieder Ruhe zu haben. Schade, dass wir da häufig einen Fehler machen, und unsere Hunde überschwänglich begrüßen. Aus Hundesicht wirken wir somit selbst als noch nicht reif genug für einen führenden Posten... Ignorieren Sie zukünftig also bitte übertriebene Begrüßungstänze, und widmen sich Ihrerseits Ihren Hundefreund erst, wenn er sich ruhig verhält.
  • Sprechen Sie ab jetzt Ihren Hund nur noch an, wenn Sie tatsächlich seine komplette Aufmerksamkeit möchten. Natürlich können Sie Ihn auch weiterhin knuddeln, wann immer sie möchten. Ignorieren Sie ihn jedoch in der restlichen Zeit. Mit dieser Regel sorgen Sie dafür, dass Ihre Aufmerksamkeit kostbar wird. Dringend beachten: Aufmerksamkeit darf kein Dauerzustand sein!
  • Macht Ihr Hund es sich an Orten (scheinbar) gemütlich, von denen aus er Fußgänger oder Besucher beobachtet und anbellt? Vertreiben Sie ihn von diesen Wachplätzen immer wieder, bis er sie gar nicht mehr von selbst aufsucht. Das bringt Ihren Hund insgesamt in eine ruhigere Stimmung und demonstriert ihm sehr gut, dass er sich um eigenen Besitz und Sicherheit nicht zu kümmern braucht - das tun nämlich zukünftig Sie selbst!

 

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Hund vertraut Ihnen jetzt!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rachel Wynkoop (Donnerstag, 02 Februar 2017 08:29)


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Carina Gugel, Hundetherapeutin und -Trainerin
Carina Gugel, Hundetherapeutin und -Trainerin